HIPPOLYTOS / SZENISCHE LESUNG MIT STEFAN HUNSTEIN + SHENJA LACHER


Samstag 07. April 2018
20.00 Uhr
Meta Theater, Osteranger 8, 85665 Moosach bei Grafing



Hippolytos – der Menschenbaum

Wie weit darf ein Künstler gehen, um ein möglichst wahrhaftiges Kunstwerk zu schaffen?

In dem Theaterstück von Simon Werle wird vor den Augen des Malers Parrhasios ein Sklave zur Tode gefoltert.
Der Maler wird dadurch zu einem hyperrealistischen Gemälde angeregt, das eine Heldentat des Theseus verherrlichen soll.Der junge Hippolyt os, Sohn des Theseus, konfrontiert den Maler mit dieser menschlichen Katastrophe und fordert vom Künstler Verantwortung. Dieser entzieht sich und verwandelt sich in einen Feigenbaum.
Geschichte und Zeitlosigkeit, die Grenzen zwischen Stoffen und Lebewesen, Menschen und Tieren, Pflanzen und Energien lösen sich auf in diesem poetischen Text und schaffen einen Erfahrungsraum jenseits des Anthropozentrismus.

Szenische Lesung mit Stefan Hunstein und Shenja Lacher:
Die Regisseurin Dagmar Knöpfel hat die szenische Lesung konzipiert, als work in progress, mit dem Ziel einer Performance, die bildende Kunst, Musik und Film integrieren wird, künstlerische Leitung Axel Tangerding

Foto vom Ochsen: Chaim Soutine hängt als Model einen frisch geschlachteten Ochsen in sein Atelier

Der in Paris lebende litauische Künstler Chaim Soutine zeigte sich zwischen 1920 und 1925 geradezu besessen von diesem Typus, wovon etwa zehn Gemälde zeugen. Selbst aufgrund eines Magenleidens zu einer strengen Diät gezwungen und außerdem oft mittellos, beschäftigte sich Soutine in seinen Stilleben häufig mit dem Thema Essen. Für die Serie der geschlachteten Ochsen bewahrte er einen Rinderkadaver über Tage in seinem Atelier als Modell auf und übergoss ihn regelmäßig mit frischem Blut, um Verwesungsspuren zu kaschieren – für einen Künstler, der jüdisch erzogen worden war, sicherlich ein eklatanter Tabubruch. Machen seine farbintensiven, expressiven Bilder, die Brutalität des Schlachtens erfahrbar, so griff später der britische Künstler Francis Bacon das Motiv auf, um in der Kombination von Porträt und geschlachtetem Tier die Qualen des menschlichen Daseins zu visualisieren.