Meta Theater
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    Kantan - Trilogie
 Im Gefolge fallender Blüten
 Über den Berg kommen


Kantan

Idee und Realisation
Textbearbeitung
Darsteller

Live-Musik
Kostüme
Lichtentwurf
Spieldauer
Erstaufführung


 

Yoshi Oida / Axel Tangerding
Ulrike Döpfer
Ulrike Döpfer, Regula Siegfried,
Axel Tangerding, Klaus Wächter
Edgar Hofmann, Martin Seeliger
Monica Ludwig
Thomas Fenzl
1 Stunde 30 Minuten
13. Oktober 1989 im Werkhaus Moosach




Zum Inhalt

Die "Kantan" übertitelte Produktion setzt sich aus drei Teilen zusammen: Die beiden Stücke "Herbstwind" und "Kantan", deren Textgrundlage japanische Nô-Spiele aus dem 14. und 15. Jahrhundert bilden, verbinden Geheimnis und Suche auf geheimnisvolle Weise. In "Herbstwind begibt sich eine junge Frau verzweifelt auf die Suche nach ihrem Geliebten – ihre Liebesraserei spiegelt sich in der herbstlichen Natur wider. So wird die Einheit von Natur und Mensch heraufbeschworen. "Kantan" handelt von der Suche eines Mannes nach Reichtum und Ruhm, die zur Metapher für die Vergänglichkeit allen Besitzes wird. Zwischen diesen besinnlichen Stücken ist das komödienhafte "Freiheit für eine Nacht" zu sehen. Darin rücken die allzu menschlichen Nöte und Begierden in den Mittelpunkt des Geschehens: Ein Mann versucht seiner Frau mit List und Tücke eine Nacht mit der Geliebten abzuringen, doch er hat nicht mit dem Witz seiner Gattin gerechnet.

Regisseur Yoshi Oida hat in jahrelanger Zusammenarbeit mit Peter Brook viel Erfahrung mit einem gegenwärtigen, kulturübergreifenden Theater gesammelt und auch schon selbst mehrere Stücke konzipiert. "Kantan", seine zweite Arbeit mit dem Meta Theater, versucht ebenfalls, Kunst jenseits kultureller Prägung zu schaffen: Das klassische japanische Theater soll weder imitiert noch in westliches Theater transformiert werden. Oida schafft eine harmonische Komposition zwischen Musik-, Tanz- und Sprechtheater. Der Zuschauer soll sich also nicht nur an dem Gesehenen und Gehörten erfreuen und sich damit zufriedengeben, sondern die suggestiven Bilder weiterdenken.

Kritik

Aus dem Kölner Stadtanzeiger vom 14. November 1989: "Die Erfüllung ist nur geträumt":

"Und doch, so scheint es, hat Oida Tradition bewahrt, was Themen, Strukturen und Symbole des Nô angeht. (...) das Leben ist nur ein vergänglicher Traum, nur dies gilt es jenseits allen Moralisierens zu erkennen. (...) Raffinierte Verschiebungen von Zeit und Raum, delikate Gratwanderungen zwischen pirandelleskem Sein und Schein."

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    Kantan - Trilogie
 Im Gefolge fallender Blüten
 Über den Berg kommen


Im Gefolge fallender Blüten

Darsteller
Live-Musik
Kostüme
Bild
Lichtentwurf
Spieldauer
Erstaufführung


 


Ulrike Döpfer, Axel Tangerding
Edgar Hofmann
Monica Ludwig
Wilhelm Weiner
Thomas Fenzl
1 Stunde 10 Minuten
3. Juni 1987 im Gasteig Kulturzentrum München




Zum Inhalt

Die Poesie des Titels "Im Gefolge fallender Blüten" setzt sich in der Inszenierung fort: Das erinnerte Spiel über die Verkettung von Mann und Frau läßt Tanz, Musik und Worte zu einer harmonischen Einheit verschmelzen. Inspiriert von Werken des irischen Dichters W. B. Yeats wird die Liebe mit viel Gefühl als Kampf der Geschlechter gezeigt. Aber statt vorgefertigte Meinungen zu illustrieren, verbleibt die Inszenierung im Traumhaft-Ungewissen. Der Zuschauer muß sich die Fragen, die die Produktion aufwirft, selbst beantworten.

Kritiken

Aus einer Sendung von Rias Berlin von Bärbel Jäschke am 8. April 1988:

"Und der Komponist Edgar Hofmann schaffte es, mit Violine und Nay, einer 3000 Jahre alten Orientflöte, großstadtferne, von Menschen unberührte Natur nach Kreuzberg zu holen. "Im Gefolge fallender Blüten ist ein poetisches Spiel der Erinnerung. Mit Dichtung, Bewegung, Tanz, Musik, Licht und phantasievollen Kostümen, die keiner bestimmten Zeit angehören, wird hier von einer Welt erzählt, die es schon immer gegeben hat, seit Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden. Die Welt der Sehnsucht zwischen Mann und Frau. Das uralte Spiel des Suchens, Findens, Entzweiens, Abschiednehmens, des Erinnerns. Ein Spiel um Liebe, Natur, Sterben, Leben, Erkennen. (...) Das Schönste an dieser Aufführung ist die Harmonie zwischen Musik und Bewegung. Die Antwort der Instrumente und Töne auf den Kampf der Geschlechter."

Aus "The Times of India", Bombay, vom 6. Dezember 1989: "Expressive silences" (im Folgenden Auszüge der deutschen Übersetzung):

"(...) die Ausdrucksvielfalt, die es der Gruppe zu entdecken gelang. Es sind nicht nur Körper- und Tanzbewegungen – da ist auch Ausdruck durch Musik, Licht, Schweigen, Innehalten und Sprache. (...) Aber was das Stück zusammenhält, ist das ausdrucksvolle Spiel von Ulrike Döpfer und Axel Tangerding – überraschend, sinnlich und beherrscht, das Bilder schafft, die mehr als Worte sagen. Die stillen Momente erzeugen Räume, die die Zuschauer ihrer Gedanken und ihres Daseins bewußt werden lassen. (...) Tangerdings und Oidas Regie schafft ein Gefühl für ein Theater, das weiterführt. Das Licht z. B. (...) veranschaulicht einen kreativen Umgang mit den Elementen des Theaters (...) etwas Mutiges und Neuartiges, (...) das einen erreicht und berührt."

Aus "The Independent", Bombay, vom 9. Dezember 1989: "Conversing with eternity" (im Folgenden Auszüge der deutschen Übersetzung):

"(...) Das Stück beschwört Bilder herauf, erweckt Eindrücke, Empfindungen. Schon lange hat uns kein Stück so nachhaltig zum Nachdenken gebracht. Ich würde das Meta Theater gerne hier wiedersehen."

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    Kantan - Trilogie
 Im Gefolge fallender Blüten
 Über den Berg kommen


Über den Berg kommen

Regie
Darsteller

Live-Musik
Metallberg
Stoffgebilde


 

Yoshi Oida
Ulrike Döpfer, Regula Siegfried,
Axel Tangerding
Dieter Trüstedt
Wilhelm Weiner
Petra Peters




Zum Inhalt

Die Dichterin Onono Komatshi, von deren Schicksal "Über den Berg kommen" handelt, lebte Mitte des 9. Jahrhunderts in Japan. Sie wurde wegen ihrer Schönheit und ihres Reichtums gerühmt. Doch nachdem sie durch ihren Stolz den Tod eines Mannes, der sie liebte, verschuldet hat, verarmt die grausame Schöne und stirbt. Aber auch im Tod findet sie keinen Frieden: Der Geist des verschmähten Mannes bindet ihren Geist an sich. Rastlos müssen die beiden überirdischen Wesen in der Welt der Menschen herumstreifen. Als eine Priesterin der Ruhelosen Hilfe anbietet, droht der unversöhnliche Geist des Mannes, die Priesterin auf ewig zu verfluchen.
Regisseur Yoshi Oida hat diese Geschichte, die Stoff zahlreicher japanischer Nô- und Kabuki-Spiele ist und die auch noch in der zeitgenössischen Literatur von heute thematisiert wird, in langsame, ritualisierte, tanzartige Bewegungen umgesetzt und dabei fast völlig auf gesprochenen Text verzichtet. Wie in einem Traum wird die Überwindung des Verhängnisses durch Erkenntnis in einer Synthese aus Tanz, Musik und Licht dargestellt.
Von der großen Faszination dieses außergewöhnlichen Theaterereignisses zeugen zahlreiche Gastspiele und Einladungen zu Theaterfestivals sowohl im europäischen als auch im außereuropäischen Ausland. Außerdem wurde eine Aufzeichnung der Produktion im Bayerischen Fernsehen gezeigt.

Kritiken

Aus dem Kölner Stadtanzeiger vom 14. November 1989: "Die Erfüllung ist nur geträumt":

"Spiele wie zwischen Tag und Traum im Japanischen Kulturinstitut. (...) Die Figuren bewegen sich schwebend langsam, getragen, sie scheinen anzuwachsen, zusammenzusinken, fremden Kräften ausgesetzt. (...) Yoshi Oida (...) möchte eine Intensivierung des gefühlsmäßigen Erlebens in transkulturellen Zusammenhängen erreichen."

Aus der Abendzeitung München:

"Klang, Farbe, Licht und Körper verschmelzen zur sinnlichen Einheit, zum kontemplativen, doch spannungsdurchwobenen Erlebnisraum."

Aus La Repubblica Milano (im Folgenden Auszüge der deutschen Übersetzung):

"In der Arbeit mit dem Werkhaus Moosach wurde Japan von Yoshi Oida auf radikale Weise neu erschaffen: also nicht durch ausgewählte, mehr oder minder getreue Imitationen, sondern durch eine Neukomposition mit absolut autonomen, gestischen Ausdrucksmitteln."

Aus der Süddeutschen Zeitung München:

"(...) entstehen poetische Bilder, die einen die Zeit vergessen lassen."

Aus der Tageszeitung Berlin:

" Die von Dieter Trüstedt gemachte Musik ist nur selten als Begleitung des theatralen Spiels anzusehen. Besonders sein Spiel auf der Narh-Flöte kann den Zuhörer in eigene Traumwelten führen."

Aus The Independent, Bombay vom 6. Dezember 1989: "To experience eternity in an hour" (im Folgenden Auszüge der deutschen Übersetzung):

"Die Produktion war nicht düster oder sogar streng, obwohl die Bühne kahl und die Requisiten minimal waren. (...) Die Darsteller waren wunderbar auf eine transzendentale Art und Weise, die sicherlich etwas mit der inneren Arbeit zu tun hat, die man braucht, um diesen geistigen Zustand zu erreichen. Die Kostüme waren vorzüglich. Die Bewegungen, die Art, wie sie ihren Körper benutzen und beherrschen, waren geschmeidig. (...) Komatshi [der englische Titel der Produktion; Anm. der Red.] ist ein geistiges Werk. Man sieht, wie ein dramatischer Konflikt bis zu jenem Ausmaß verinnerlicht werden kann, daß er ein Konflikt wird zwischen dem Bösen, als einer der Natur des Menschen innewohnenden Seite, und dem Guten, als einer nach außen wirkenden Möglichkeit, die man durch Menschlichkeit erreichen kann."

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Meta Theater Stand März 2000