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| T H E A T E R |
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Kun Oper |
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Die älteste und zugleich künstlerisch anspruchsvollste Theatertradition Chinas, die Kun Oper, in Europa erstmalig in ihren wichtigsten Facetten zugänglich und erfahrbar zu machen, hatten sich die Organisatoren dieses einmaligen Meta Theater Projekts zum Ziel gesetzt. Ausgewählt wurde hierfür die renommierteste Kun-Operntruppe Chinas, die in Shanghai in den fünfziger Jahren aufgebaut worden ist. Aus diesem Ensemble erklärten sich zehn der besten Schauspieler und Musiker bereit, das Shanghai München Projekt in Deutschland durchzuführen. Alle sechs Darsteller haben die höchst intensive achtjährige Schauspielausbildung der Kun-Opernschule absolviert und im Laufe ihrer Bühnenkarriere zahlreiche Preise errungen und an vielen Auslandstourneen teilgenommen. Ähnliches gilt für die vier Instrumentalisten, deren Leiter, ein Virtuose auf der Bambusflöte dizi, dem Leitinstrument der Kun Oper, in China sogar als der König der Kun-Opernflötisten bekannt geworden ist. Da jedoch diese über vierhundert Jahre alte Kunstform, im Gegensatz zur lautstarken und volkstümlicheren Peking Oper, noch so gut wie unbekannt ist, wurden neben den 13 Abendvorstellungen in München, Nürnberg, Landsberg, Moosach, Grafing und Vaterstetten zahlreiche Einführungs- und Begleitveranstaltungen geboten, die dem deutschen Publikum Gelegenheit geben sollten, tiefgehende Einblicke in das Bühnengeschehen zu gewinnen und mit den Künstlern selbst in Kontakt zu treten. Daneben boten Seminarveranstaltungen mit den Künstlern an der Universität den Studenten und Dozenten der Theater- und Ostasienwissenschaften die Möglichkeit, darstellerische und musikalische Strukturen deutlich zu machen und Bezüge zu außerchinesischen Theatertraditionen herzustellen. Darüber hinaus wurde viel Zeit für Fachdiskussionen eingeräumt, in denen manche der schwierigen terminologischen Fragen geklärt werden konnten. Ein Workshop für Bühnenpraktiker in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsballett bot die Chance, das auf der Bühne Gesehene durch genaue Nachahmung selbst zu erproben und auf diese Weise besser zu verstehen. Bei den Abendveranstaltungen bewährte sich das Konzept, vor jeder Szene eine kurze inhaltliche und darstellungstechnische Erläuterung zu geben, um den Zuschauern auf diese Weise zu ermöglichen, sich ganz auf die schauspielerische Virtuosität der Künstler konzentrieren zu können. Bei der Zusammenstellung der drei verschiedenen Abendprogrammen wurde über dies Wert darauf gelegt, die unterschiedlichen Aspekte der Kun-Opernkunst wie die lyrisch-verfeinerte, die kämpferisch-akrobatische und die komödiantisch-burleske Seite zu Geltung zu bringen. Eine 36-seitige Programmbroschüre lieferte überdies Hintergrundinformationen zur Geschichte der Kun Oper, zu den einzelnen Dramen und den Künstlern. Dank gezielter und intensiver Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt im Vorfeld, war das Publikumsinteresse von Anfang an vorhanden und konnte im Laufe der Veranstaltungen durch die überragenden Leistungen der Künstler und entsprechende euphorische Medienberichte noch sehr stark gesteigert werden. Man kann wohl ohne Übertreibung konstatieren, daß durch die Veranstaltungsreihe die westliche Diskussion zu den Bühnenkünsten Ostasiens um eine wichtige Facette bereichert worden ist und der Boden bereitet wurde für weitere, vielleicht noch differenziertere Veranstaltungen dieser Art.
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