Presseauswahl zu Aoi

Ebersberger Zeitung 31.5./1.6.00

Aoi zwischen Hass, Begierde, Leidenschaft
Neues Stück vom Meta Theater

Mishimas Theaterstück Aoi basiert auf einem klassischen Stoff des japanischen Nô Theaters. Die moderne Adaption versetzt die Handlung in ein Krankenhaus. Die drei Figuren sind in ein tragisch endendes Geflecht aus Hass, sexuellen Begierden und grenzenloser Leidenschaft versponnen… Mishima habe seine Obsessionen mit Poesie verbunden, worin der Regisseur George Ferencz seine Bedeutung sehe. Ferencz lege bei allen seinen Aufführungen Wert darauf, die Sprachbarrieren zu überbrücken. Seine Zuschauer sollten die gezeigten Stücke verstehen, auch wenn sie die Sprache nicht beherrschten. Daher arbeite er stark mit Aktionen und Handlungen, über die der innnere Zustand der Figuren sichtbar würde. Dies habe er auch im japanischen Nô Theater entdeckt, das mit einer starken Betonung der Gestik und Mimik arbeite. Der sprachliche Ausdruck trete zugunsten des körperlichen zurück… Mishimas Stück Aoi, eine Dreiecksgeschichte um besitzergreifende Liebe, ist immer aktuell.
Herbert Temmes

Süddeutsches Zeitung / ENN Kultur 3./4.Juni 2000

Das fühlt sich gut an
Meta Theater probt wieder ein japanisches Nô Drama…

„der Text sei das stärkste Mittel“, sagt Ferencz. Wie ein Gedicht klinge jedes einzelne Michima Wort in seinen Ohren. Das sei Poesie pur. Er als Regisseur habe gemeinsam mit Darstellern und Bühnenbildner lediglich die Aufgabe, den poetischen Text mit Magie zum Pulsieren zu bringen. Zeit und Raum existieren nicht. Das Stück spielt gezielt zwischen Realität und Fiktion und erzählt eine verworrene Liebesgeschichte. … Watoku Ueno hat einen abstrakten Raum geschaffen… Weiße Tücher, die sich über und um alte Baumäste spannen, symbolisieren das Krankenhaus. … „Jeder soll verstehen können“ sagt Ferencz. Darum arbeite er mit einer starken visuellen Bildsprache sowie Musik. Und natürlich weiß er auch von diesem elektrisierendem Gefühl. Er drückt es so aus: „Sex is in the air.“
Carolin Fries

Süddeutsche Zeitung / ENN Kultur 7.Juni 2000

Sex als Rätsel und Abgrund…

Was in dem Stück des japanischen Schriftstellers Yukio Michima Realität, was Fiktion ist, bleibt ungeklärt. Da gibt es keine Abgrenzung: Rätsel bleiben gewollt offen… Das Meta Theater setzt auf symbolische Bilder anstatt auf Dialogschlachten. Worte erklären lediglich Zusammenhänge. … Aoi, ein ungewöhnliches Stück, das das Meta Theater auf außergewöhnliche Art und Weise inszeniert hat.
Carolin Fries

Ebersberger Zeitung 1./2.Juli 2000

Liebe ist ein chemischer Prozeß
Meta Theater inszeniert exzessives Stück

Theater hautnah: das bietet mit seiner neuesten Produktion Aoi das Meta Theater. Ein von Obsessionen und Leidenschaftlichkeit, von Energie wie Agression strotzendes Stück in einer Inszenierung, bei der die greifbare Körperlichkeit auch den Betrachter an die Schmerzgrenze führt. Das Drama um eine selbstzerstörerische Liebe, um Selbsthass wie Unterwürfigkeit setzt Regisseur George Ferencz als ein an archaischen Mustern reiches Spiel um… Die gekonnt ausgeleuchtete Bühne unterstützt die angerissenen Metamorphosen: vom Krankenhaus hin zu einem Bootsausflug und wieder zurück. Das Licht konturiert gemeinsam mit den eingespielten Geräuschen die Daseinsebenen und schafft so Transparenz… Der Meta Theater Truppe gelingt es, Michimas Stück ohne Pomp in einer energiegeladenen Inszenierung umzusetzen, ohne atemlos zu werden…
Herbert Temmes

Hallo Ebersberg 5./6.Juli 2000

Die Dame Aoi

Ein Liebesdrama aus der Vergangenheit, das die Gegenwart erneut zu verwirren droht… Die poetische Sprache und die ganz eigen Bildsymbolik des Autors machen diesen nächtlichen Schrecken zu einem subtilen und vielschichtigen Theatererlebnis…
Sabine Radloff

Ebersberger Zeitung 10.Juli 2000

Dunkle Lichtgestalten

Gelungenen Mischung aus Spiel und Dialog Yukio Mishimas Stück Aoi findet in der mit modernen wie auch mit Mitteln des Tanztheaters arbeitenden Inszenierung in der Meta-Theater-Truppe Mimen, denen eine Verbindung aus den aktuellen Themen des Stückes und der an das japanische Nô Spiel angelehnten Umsetzung ein ausdrucksstarker und wuchtiger Bilderreigen gelingt… Das Stück in der Inszenierung des am New Yorker La Mama Theater arbeitenden George Ferencz setzt diese Zwischenwelten durch eine reich nuancierte, alle Sinne ansprechende Aufführung um… Die gelungene Kombination visueller und akustischer Elemente unterstützt das dem Dialog gleichgewichtige angelegte Spiel… Das Meta Theater erlebte am Premierenabend eine durch die abwechslungsreichen Tempi der Inszenierung die Spannung haltende Aufführung. Im fast vollbesetzten Theater kam der Beifall am Ende auffallend zögerlich, nicht, weil die exzellente Vorstellung nicht gefiel, sondern die starken Bilder ihre Beobachter gefangen hielt.
Herbert Temmes

Süddeutsche Zeitung / ENN Kultur 10.Juli 2000

Entblößte Sexualkomplexe Moosacher Premiere der Dame Aoi…

Skuril und verspielt, mit ungewohnt ausdrucksstarken Bildern hat Regisseur George Ferencz vom New Yorker La Mama Theater das moderne Nô Drama von Yukio Mishima umgesetzt. Und das vor einem fantastischen Bühnenbild seines New Yorker Kollegen Watoku Ueno. Eine hölzerne Bühne, die schlicht und unkompliziert wirkt, aber enorm aufwendig gestaltet ist. Erst während der Aufführung begreift der Besucher die Raffinessen und Möglichkeiten dieses Bildes… Alles nur geträumt? ist nicht die einzige Frage, die am Ende offen bleibt, weil das Meta Theater auf aussagekräftige Bilder und die Sprache des Körpers setzte: Der symbolhafte Erzähl-Gestus beherrscht das Spiel, was der erfahrenen Meta-Gruppe einmal mehr gelingt. Ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Das Meta Theater beweist einmal mehr Mut zu eigenwilligem Stil und Kreativität.
Carolin Fries